25.09.2017

Wie die Raumfahrt unser Denken verändert – und was der Handel davon lernen kann: Interview mit Prof. Ulrich Walter

Prof. Ulrich Walter ist Inhaber des Lehrstuhls für Raumfahrttechnik an der TU München – und kennt das Weltall aus eigener Anschauung. Im Jahr 1993 verbrachte er als Wissenschaftsastronaut rund 10 Tage im Weltall.

Der inspirierende Wissenschaftler, der auch die Weltraum-Dokureihe Spacetime auf N24 moderiert, teilt sein Wissen auf dem Deutschen Handelskongress in Berlin. Wir sprachen vorab schon mit ihm darüber, warum sich der Handel für das Weltall interessieren sollte.

Wie verändert sich die Sicht auf die Welt, wenn man wie Sie fast 10 Tage im Weltall verbracht hat?

Prof. Walter: „Zunächst einmal muss man viel arbeiten – das ist die aktuelle Sicht. Vor allem beeindrucken zwei Dinge: Zum einen die Schwerelosigkeit, die ein ganz neues Lebens- und Empfindungsgefühl mit sich bringt. Wir unterliegen ja der Schwere und es ist uns unbewusst geworden, welchen Einfluss das auf das ganze Verhalten hat. In der Schwerelosigkeit hat man ein ganz anderes Umfeld.

Das andere ist der Blick auf die Erde. Das ist schon toll. Es ist der Abstand, der einen die Welt unter einem anderen Sichtwinkel sehen lässt. Jede Änderung der Sichtweise führt zu einem neuen Verständnis. Wenn Sie Ihre Heimat für mehrere Jahre verlassen und kommen dann zurück, dann sehen Sie Ihre Heimat mit ganz anderen Augen.

Wenn Sie täglich nur in Ihrer Heimatstadt herumkrebsen, dann ist das Ihr Weltbild, mit all Ihren Meinungen und Vorurteilen. Wenn Sie ein paar Jahre weg sind, ändert sich das grundsätzlich. So ist es dort oben auch. Sie sehen die Dinge mit einem anderen Abstand, sie gehören nicht mehr dazu, sie haben den Fernblick.

Sie sehen die Welt in größeren Zusammenhängen und es wird Ihnen klar, dass die zählt und nicht mehr so sehr Ihre kleine Heimatstadt. Das verändert das Denken.“

Was können Unternehmen, insbesondere Handelsunternehmen, von der Raumfahrt lernen?

Prof. Walter: „Sie können den Blick von außen lernen. Andere haben ja auch Probleme. Die NASA hat viel mit Risiken zu tun und muss solche Risiken lösen, damit umgehen. Von diesen Strategien können andere ungemein lernen. Man muss nicht immer dieselben Fehler machen. Wie sind andere mit ähnlichen Fehlern umgegangen? Warum lernen wir nicht davon?

Ich werde auf dem Deutschen Handelskongress Beispiele von solchen Fehlern bringen. Das Publikum wird sich hineinversetzen können, wie mit diesen Fehlern umgegangen wurde und kann diese Strategien dann auch selbst ausprobieren.“

Glauben Sie, dass es Absatzmärkte für REWE, Otto und Co. jenseits unserer Galaxie gibt?

Prof. Walter: „Natürlich! Nämlich Reisen. Jeder möchte da hinreisen. Ich bin dahin gereist, wobei meine Mission insgesamt 640 Mio. USD gekostet hat. Aber es gibt ja jetzt schon Flüge in den Weltraum für Normalbürger. Wenn Sie zur Raumstation reisen, müssen Sie immer noch 45 Mio. hinlegen. Und für suborbitale Flüge, bei denen man nur kurz den Weltraum ankratzt, zahlt man nur 250.000 USD. 750 Personen haben sich bereits angemeldet und den Betrag bereits gezahlt. Es gibt viele Leute, die sich so etwas leisten können und einen Blick von oben auf die Welt haben können. Nicht tagelang, sondern nur ein paar Minuten – aber immerhin!

Es zählt der Moment, der Eindruck des Augenblicks, einmal auf unsere Welt zu schauen. Solche Reisen wird es zuhauf geben in der Zukunft. Im Moment machen das 2-3 amerikanische Firmen. Deutsche Interessenten werden ihre Flüge dort einkaufen, denn ein deutsches Unternehmen wird so etwas wohl kaum anbieten.

Wahrscheinlich wird die Bekleidungsindustrie davon profitieren, wenn Raumfahrtbekleidung schick werden wird. Raumfahrt in seiner Gesamtheit, also Fernsehen, Navigation, Weltraumreisen, das Gefühl der Schwerelosigkeit, die Bilder von der Erde, wird so Einzug halten in unser Bewusstsein – und das verändert das Denken.“

Lassen Sie sich inspirieren vom Raumfahrer Prof. Ulrich Walter inspirieren – auf dem Deutschen Handelskongress in Berlin. Hier geht es direkt zur Anmeldung.

Deutscher Handelkongress 2016

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