13.08.2018

“Die Zeit von One fits All ist vorbei” - Interview mit Lionel Souque, REWE Group

Von PENNY bis REWE, von Toom Baumarkt bis Dertour zählen viele bekannte Marken, Märkte, Discounter, Touristikunternehmen und Produktionsbetriebe zur REWE Group. Die 1927 in Köln gegründete genossenschaftliche REWE Group ist in 21 europäischen Ländern aktiv.

Lionel Souque ist Vorstandsvorsitzender der REWE Group. Im Vorfeld seines Auftritts beim Deutschen Handelskongress 2018 in Berlin sprachen wir mit dem gebürtigen Pariser über Trends im Online- und stationären Handel mit Lebensmitteln.

Herr Souque, in regelmäßigen Abständen werden die Prognosen für den Onlinehandel mit Lebensmitteln verworfen. Woran liegt es, dass Deutschland hier im internationalen Vergleich hinterherhinkt?
Lionel Souque: “Internationale Vergleiche sind wenig sinnvoll, denn zum Beispiel in Frankreich und Großbritannien ist die Situation des stationären Lebensmitteleinzelhandels ganz anders als in Deutschland. Tatsache ist, dass in keinem Land der Welt die Dichte der Supermärkte und Discountmärkte so hoch ist wie in Deutschland.

Tatsache ist aber auch, dass der E-Commerce mit Lebensmitteln in Deutschland wächst und auch zukünftig weiter zulegen wird. Die Frage ist, wie schnell das geschieht. Ich bin überzeugt davon, dass eine starke und moderne Marke wie REWE mit einem umfassenden Omnichannel-Angebot für seine Kunden da sein muss. Deshalb investieren wir weiterhin in die Entwicklung und Modernisierung unseres stationären Vertriebsnetzes und zugleich in Liefer-, Abhol- und Paketservices.”

Welche (digitalen) Trends werden Ihrer Meinung nach am stärksten den LEH beeinflussen?
“Im stationären Geschäft ist meines Erachtens die Zeit von „One fits All“ vorbei. Das heißt, zeitgemäße Formate, Konzepte und Sortimente müssen immer genauer auf die spezifischen Bedürfnisse und Wünsche der Kunden im einzelnen Markt abgestimmt werden. Ein REWE-Markt im Kölner Norden kann deshalb andere Services und Sortimente haben als einer im Kölner Süden. Und das gilt im Grunde für alle Märkte in den europäischen Ländern, in denen wir mit REWE, BILLA, BIPA und PENNY präsent sind.

Die Kunst wird sein, diesen wachsenden Wunsch der Kunden nach Regionalität und Lokalität zu erfüllen, ohne die Komplexität unseres Geschäfts deutlich zu erhöhen.
Im digitalen Bereich werden Sprachassistenten sicherlich auch das Geschäft des LEH verändern. Hier liegen Chancen aber auch Risiken für den Handel. Kein Händler will, dass sich zwischen ihm und dem Kunden mittels eines Sprachassistenten eine Art Gatekeeper etabliert.”

REWE baut sein Portfolio stetig aus – welche Schwerpunkte setzen Sie bei Akquisitionen und organischem Wachstum?
“Wir setzen ganz klar auf organisches Wachstum in Deutschland und Europa. Die kontinuierliche Modernisierung und Verdichtung unserer Vertriebsnetze im Supermarkt- und Discountgeschäft ist eine tragende Säule unseres profitablen Wachstums.

Akquisitionen hingegen sind in der Regel das Ergebnis günstiger Konstellationen – zum Beispiel müssen die Rahmenbedingungen des Wettbewerbs stimmen, um die kartellrechtlichen Voraussetzungen zu erfüllen und nicht zuletzt muss es ja auch jemanden geben, der sein Geschäft verkaufen oder in ein Joint Venture einbringen will.”

Hier geht es direkt zur Anmeldung zum Deutschen Handelskongress, der vom 14.-15. November 2018 in Berlin stattfindet.


Deutscher Handelkongress 2016

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