12.09.2019

Echte Gefühle am Point-of-Sale erzeugen - Interview mit dem Wirtschaftsphilosophen Anders Indset

Anders Indset gehört zu den Vordenkern einer neuen Wirtschaft. Mit seinen Ansätzen der praktischen Philosophie begeistert er nicht nur als Keynote-Speaker. Als Sparringspartner berät er auch internationale CEOs und führende Politiker.

Mit dem Spiegel-Bestseller “Quantenwirtschaft - Was kommt nach der Digitalisierung” hat er einen wichtigen Diskussionsbeitrag geliefert zur Gestaltung einer “neuen” Wirtschaft nach Old und New Economy.

Auf dem Deutschen Handelskongress 2019 wird er eine inspirierende Keynote beitragen. Wir hatten die Gelegenheit, vorab einen Einblick in seine Denkweise zu erhalten - und was die Philosophie der Quantenwirtschaft konkret für den Handel bedeuten kann.

Anders Indset, was genau verstehen Sie unter Quantenwirtschaft?

„Die ‚Quantenwirtschaft‘ beruht auf der Erkenntnis, dass unsere Welt so merkwürdig und komplex ist, dass sie der Quantenphysik ähnlicher ist als unseren definierten Wirtschaftsmodellen.

Wir erleben, dass der Kapitalismus, wie wir ihn jahrelang exzessiv gelebt haben, nicht mehr funktioniert. Unser gnadenloser Abbau der Ressourcen, unser Hyper-Konsum, das ständige Streben nach ‚höher‘ und ‚mehr‘, bei dem Wohlstand nur auf den Kontostand oder den Share-Holder-Value reduziert wird, raubt uns heute bereits unsere Lebensgrundlage.

Die ‚Old Economy‘ ist tot und wurde in den 90ern durch die ‚New Economy’ abgelöst, die sich sehr schnell mit ihrem völlig unrealistischen Versprechen von Ferraris und Yachten für alle entzaubert hat. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels und der Digitalisierung wird den Menschen bewusst, dass es ein ‚Weiter so!‘ nicht geben kann. Wir brauchen ein neues Betriebssystem für eine stabile Wirtschaft, denn nur so können wir die komplexen Herausforderungen meistern.

Wir müssen deshalb Wirtschaft neu denken - als ‚Q-Economy’ oder eben ‚Quantenwirtschaft‘. Sie beruht darauf, dass die Welt - und damit auch die Wirtschaft - nicht auf starren linearen und damit endlichen Modellen beruht, sondern singulär unendlich ist.


Inspiration und Entertainment sind garantiert, wenn Anders Indset auf der Bühne steht.

In der ‚Quantenwirtschaft’ hängt alles mit allem zusammen: Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft werden ganzheitlich betrachtet. Wir denken und leben alles unendlich. Das bedeutet für die Wirtschaft: Alle Ressourcen müssen unendlich nutz- und wiederverwendbar gemacht werden. Die Verantwortung aller Produktionsprozesse wird auf den Hersteller verlagert und die Verbraucher werden zu ‚Gebrauchern‘ statt Verbrauchern.

So erreichen wir, ergänzt durch Modelle wie ‚Share-Economy‘ und ‚As-A-Service‘, eine echte Kreislaufwirtschaft. Vermögen fließen zurück in den Kreislauf, Unternehmen einigen sich auf neue Werte-Richtlinien und definieren nicht mehr ‚Share-Holder-Value’ als Messgröße für die Bewertung, sondern ‚Stake-Holder-Value‘.

Endliches Gewinnen oder Verlieren hat in der ‚Quantenwirtschaft‘ keinen Platz. Es wird dort stattdessen eine gesunde Rivalität gepflegt und es werden komplett neue Modelle entwickelt in Form von Ko-operenz (Konkurrenz und Kooperation). In der ‚Quantenwirtschaft’ geht es darum, möglichst lange mitzuspielen, und damit um nichts Geringeres als die singuläre Unendlichkeit.

Damit ist die ‚Quantenwirtschaft’ ein neues postmateralistisches und humanistisches Betriebssystem, eine Weiterentwicklung des Kapitalismus und ein vereinender Versuch, das unvollendete Werk und Versprechen von Adam Smith und seinen Anhängern zu vervollständigen.“

Wie kann sich der Handel in einer Welt der Quantenwirtschaft positionieren?

“Erfahrungen und Erlebnisse sind ein sehr wichtiges Thema für den Handel. Nur über Erfahrungen und echte Gefühle bekommen wir einen Zugriff auf die Menschen. Durch die Fülle an Informationen, mit denen wir täglich konfrontiert werden, stehen wir vor einem Paradoxon: Was soll ich tun? Das führt oft zu einer Entscheidungsmüdigkeit.

Wenn ich als Händler in den Gefühlen der Menschen eine Spur hinterlassen und die Menschen abholen kann, habe ich die Chance, in einen Dialog zu treten und meine Marke und Produkte den Kunden anzubieten.

In der Quantenwirtschaft bedeutet Handel nicht das Verhältnis von Kunde zu Händler, sondern von Menschen untereinander: Kunden gestalten Erlebnisse gemeinsam mit den Unternehmen. Wenn es gelingt, am Point-of-Sale eine Ko-Kreation, eine Symbiose aus Kunden und Unternehmen zu schaffen, entsteht eine tiefe Verbindung. Dann ist auch die Zahlungsbereitschaft da.

Wir müssen echte Gefühle am Point-of-Sale erzeugen. Das ist nicht einfach und wir müssen viel ausprobieren, aber die Authentizität steht dabei an erster Stelle. So kann es im Handel gelingen, Experience Centers zu formen.”

Welche Rolle spielen digitale Technologien bei der Schaffung dieser Erlebnisse?

“Wir können durch Technologie sehr viele Emotionen erzeugen. Und das wird sich radikal beschleunigen. Ich persönlich halte es für wichtig, den Menschen dabei nicht komplett auszuklammern. Ist es für mich relevant, ob ein Mensch beim Einkauf an der Kasse steht oder nicht? Ich würde darauf verzichten, wenn die Abwicklung dafür schneller geht.

Es muss uns gelingen, aus Vitalenergie Nutzen zu ziehen und Geschäftsmodelle zu entwickeln, bei denen der Mensch eine andere Rolle spielt. Sonst kann es uns passieren, dass der Mensch überflüssig wird. Wir müssen Wert legen auf den Umgang der Menschen miteinander, auf zwischenmenschliche Gefühle und Empathie, und daraus neue Geschäftsmodelle entwickeln. Das ist die Herausforderung, die uns in den nächsten Jahren bevorsteht. Wir haben es bei anderen Paradigmenwechseln geschafft, wir werden es auch diesmal schaffen, wo die Vitalenergie auf der Agenda steht.”

Die Keynote von Anders Indset verspricht nicht nur Inspiration, sondern auch Entertainment, zählt Anders Indset doch zu den herausragendsten Rednern zu den Themen Digitalisierung und Change.

Das komplette Programm des Deutschen Handelskongresses finden Sie hier.

 

Deutscher Handelkongress 2019

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