21.08.2018

Mit künstlicher Intelligenz und Pinterest die neue Küche planen - Interview mit Sabine Bendiek, Microsoft Deutschland

Alle sprechen von künstlicher Intelligenz - aber wo sind die Anwendungsfälle? Microsoft ist an vorderster Front, wenn es um die Einsatzmöglichkeiten - und Grenzen - von künstlicher Intelligenz geht.

Auf dem Deutschen Handelskongress in Berlin berichtet Sabine Bendiek, Vorsitzende der Geschäftsführung bei Microsoft Deutschland, über konkrete Fälle aus dem Handelsumfeld - vorab hat sie uns bereits einen spannenden Einblick in die Thematik gegeben.

Sabine Bendiek, sind KI und Big Data dem Faktor Mensch in allen Belangen überlegen? Wie ergänzen sich menschliche Intuition und Datenmanagement am besten?
Sabine Bendiek: „Dahinter steht die Befürchtung: Machen wir uns durch Künstliche Intelligenz überflüssig? Werden kluge Maschinen die Menschheit beherrschen? Ich bin optimistisch: Diese Dystopie kann ausbleiben. Denn bei Künstlicher Intelligenz geht es um menschliche Entscheidungen und nicht um ein technologisches Schicksal.

Wir arbeiten an Intelligenz, die menschliche Fähigkeiten und Erfahrungen ergänzt. Wir denken nicht über Mensch gegen Maschine nach, sondern konzentrieren uns darauf, menschliche Talente wie Kreativität, Empathie, Gefühl, Körperlichkeit und Einsicht mit KI zu verbinden, also mit der Fähigkeit, gewaltige Datenmengen zu verarbeiten und Muster rascher zu erkennen. Damit helfen wir der Gesellschaft, sich weiterzuentwickeln.

Unsere erste Frage darf nicht lauten, was „können“ Computer, sondern was „sollen“ sie leisten. Es geht also um Gestaltung! Wir sind es, die KI entwickeln, die Grundlagen schaffen! Idealerweise so, dass sie den menschlichen Einfallsreichtum durch intelligente Technologie verstärkt. Verantwortlich und transparent!”

Auch im Handel hält künstliche Intelligenz Einzug. Wo sehen Sie die größten Potenziale?
„Im Handel wird das Zusammenspiel von Künstlicher Intelligenz (AI) und dem Internet der Dinge (IoT) immer wichtiger. Diese Kombination befähigt Händler, ihre physischen Flächen so zu analysieren und solche Prognosen zu erstellen, wie es bisher nur für reine Online Händler möglich war. AI und IoT sind gewissermaßen der Webshop-Cookie im echten Leben.

Wir sehen vor allem zwei wesentliche Anwendungsgebiete von AI und IoT im Handel: Anwendungsfälle zur Effizienzsteigerung und Anwendungsfälle, bei denen AI und IoT die Erstellung neuer Produkte und Services ermöglichen.

Ein Beispiel für den ersten Punkt ist ein intelligentes Bestandsmanagement: Das lässt sich mit Hilfe von Sensorik (IoT) und intelligenten Prognosen so optimieren, dass der Bestand echtzeit-nah für verschiedene Filialen oder Zwischenlager prognostiziert wird und so erst neue hybride Verkaufsformen wie Click & Collect, Pick-in-Store und Teil-Lieferung nach Hause ermöglicht.  Kombiniert mit Daten aus verschiedenen Quellen wie Point-of-Sale-, Wetter-, Veranstaltungs- und Promotionsdaten lässt sich darüber hinaus mit Hilfe von KI prognostizieren, um welche Uhrzeit an welchem Wochentag bestimmte Artikel an einem bestimmten Regalplatz in einer bestimmten Kombination zusätzlichen Abverkauf generieren können.

Ein anderes Szenario sind innovative Produkte und Services. Lowes, der amerikanische Weiße-Ware-Hersteller, setzt beispielsweise KI und die Microsoft HoloLens in seinen Filialen bei der Küchenberatung ein. Zur Vorbereitung des Beratungstermins in der Filiale bittet Lowes die Kunden, Fotos von Küchen, die ihnen gefallen, auf einer eigenen Pinterest Seite anzupinnen. Diese Fotos werden mittels KI ausgewertet, um das Küchenmodell zu ermitteln, das mit der größten Wahrscheinlichkeit den Kundenvorlieben entspricht.

Lowes nutzt während der Beratungstermine in den Filialen die Microsoft HoloLens als Mixed Reality Erlebnis, das die Küche mit ihren Einrichtungsgegenständen als Hologramme erlebbar macht. Die Hologramme sind in Größe und Oberfläche interaktiv anpassbar und so ideal für den Kunden planbar.”

Sie fordern eine „Demokratisierung von KI“ - was verstehen Sie darunter und wie kann das erreicht werden?
„Bereits vor zwei Jahren hat Satya Nadella betont, künstliche Intelligenz zu demokratisieren und über die vier Komponenten Infrastruktur, Services, Apps oder Bots für jeden verfügbar zu machen – von Konsumenten über Unternehmen bis hin zu Entwicklern. Dazu zählt auch eine intensive Zusammenarbeit mit der Open Source Community, ebenso wie klare ethische Entwicklungsprinzipien.

KI muss einen Nutzen für möglichst alle Menschen haben und vertrauenswürdig sein: Datenschutz, Sicherheit & Transparenz gehören ins Gleichgewicht mit dem Streben nach effizienten und wirtschaftlichen Geschäftsmodellen. Um diese Ziele auch speziell für Deutschland zu erreichen, haben wir erst im Juni einen KI Plan für Deutschland vorgestellt, durch den wir im Schulterschluss mit Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in vier Handlungsfeldern unser Engagement nochmals steigern werden.

Dazu zählen Themen, die ich unter anderem in einem Artikel für das Handelsblatt skizziert habe: Aufgaben wie die Stärkung menschlicher Intelligenz und digitale Befähigung, ein Mehr an Vernetzung von Wirtschaft und Wissenschaft und ein gesundes Startup-Ökosystem. Das Ganze begleitet durch eine breite gesellschaftliche Debatte und Aufklärung über Chancen und Herausforderungen durch KI.”

Treffen Sie Sabine Bendiek am 14.-15. November 2018 in Berlin beim Deutschen Handelskongress 2018.
Hier geht es direkt zur Anmeldung.

 

Deutscher Handelkongress 2016

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